Pressestimmen

Laudatio zu «Mäandertal», Buchpreis Kanton Bern 1995

 

Aus einem schönen Traum geweckt vom Gesang eines monströsen Frosches, der nur Männchen zu zeugen in der Lage ist und mutmasslich nicht weiß, was er quakt, rückt der Flurnamenforscher Hitz in seinen letzten militärischen Ergänzungskurs ein. Auf seinen Patrouillengängen durchs Dickicht der Natur, unter militärischem Vorwand zwar, aber mit zivilem Forschungsauftrag, um die Geschichte der Namen zu erkunden, gerät er ins Gestrüpp von Geschichten, die ihn nicht nur zu akribischer kriminalistischer Tätigkeit, sondern auch zum Erlernen einer neuen Sprache zwingen. Doch es hilft nichts. Am Ende scheitert der Namensforscher an der Unbenennbarkeit der Welt und fällt selber, von einer Zecke, genauer: einer Nymphe gebissen, der Natur zum Opfer. Denn: ist selbst der Name des Bösen bekannt, ist’s doch nicht zu fassen. Nur die Litanei der antibiotischen Heilmittel vermag das Unheil schließlich zu bannen.

«Mäandertal», Markus Ramseiers erster Roman, ist nicht nur eine stille Satire auf typisch helvetische Obsessionen, sondern auch ein erzählerischer Versuch über das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, vor allem aber: ein eminent literarisches Buch; denn sein Thema sind die Wörter. Dass es dem Autor bereits in seinem ersten Roman gelingt, die Spannung zwischen dem Namenlosen und der Sprache, zwischen dem Chaos der Ereignisse und dem Strukturzwang von Geschichten, erzählerisch zu gestalten, ganz nah an der Landschaft, am Körper, in einer sinnlichen Sprache – optisch, akustisch und haptisch ineins –, lässt auf weitere Werke von literarischem Rang hoffen.

Christoph Geiser

 

 

Ein Buch, das nicht nur mit seiner Tiefenschärfe und psychologischen Detailtreue, sondern auch mit seiner kunstvoll verknüpften Motivik und mit seiner unaufdringlichen, aber intensiv spürbaren gesellschaftspolitischen Leidenschaftlichkeit für die Zukunft Bemerkenswertes erwarten lässt.

Charles Linsmayer, Der Bund, 10.10.1994

 

 

Dieser Erstlingsroman zeichnet sich durch erstaunliche Qualitäten au. Da erzählt einer – trotz dem Thema – unhelvetisch frisch von der Feder weg, oft augenzwinkernd ironisierend («Die Rotarier trugen ihre feinen goldenen Nädelchen an der Brust, als Ersatz für den aus der Mode gekommenen Federschmuck«»), oft beklemmend »nah« und präzise, immer flüssig und mit grossem «Zug», mit Vorliebe in einem Abstand schaffenden und dennoch Spannung weckenden Konjunktiv.

Bruno Schmid, Badener Tagblatt, 28.1.95

 

 

Eine Entdeckung: «Mäandertal», der erste Roman des Baselbieters Markus Ramseier (39), mäandriert in erzählerischen Schlaufen durch eines Flurnamenforschers Leben, das unversehens seine Übersichtlichkeit verliert.

Markus Ramseier hat sich einen wunderbar passenden Helden ausgedacht. Eine Figur nämlich, deren Beruf und Passion gleichermassen spiegelbildlich abbildet, was »Mäandertal« thematisch und formal so spannend macht. ...

Der Vielfalt der thematischen Bezüge entspricht auch eine formale Vielgestaltigkeit: Träume, innere Monologe, Briefe von Hitz an seine Frau, fachliche Mutmaßungen eines Flurnamenforschers, Präliminarien zum Flurnamen-Vortrag und schließlich der Vortrag selber fließen ineinander oder sind einander in anspielungsreichen Kontrasten gegenübergestellt.

Mit der Kühnheit der erzählerischen Konstruktion geht auch eine Kühnheit der Sprachbilder einher, die, je weniger Hitz an die Geradlinigkeit glaubt, desto üppiger ins Kraut schießen: «Die Regale überquollen ihm, von den Ecken her, in der Rumpelkammer seines Kopfes.»

Josef Bosshart, Berner Zeitung, 22.12.1994

BUCHVERNISSAGE «IN EINER UNMÖBLIERTEN NACHT»

26. April 2018, 19.30 Uhr, Kultur- und Sportzentrum Pratteln

 

Sehen Sie hier die Zusammenfassung von Kurt Suter, pratteln.net