Leseproben

Mundart-Kolumnen «Volksstimme»

Bappele

 

Wenn immer mööglig möche my Frau und ich nach em Mittagässe e Verdauigsspaziergang – hinderen ins Daal und zrugg dur d Rääbe. Zhinderscht im Dall chralle sich bim Weier e baar altehrwüürdigi Bappele in Boode. All baar Wuche säit my Frau mit soorgevollem Blich uf die morschen Escht vo dene Bäum: Jetz isch denn allwä ändgültig Schluss. Und si säit das esoo truurig, dass sogar den Änten im Weier klar isch: Für my Frau si die Bappele fascht häilig.

 

I sälber ha ne zwyyspältigs Verheltnis zu dene Bäum. Do drzue muess me wüsse, dass i Linggshänder bii. Und Linggshänder häis in dr Schuel bekanntlig schweer, bsunders im Schryybe, im Wäärche – und im Zäichne. Und ums Zäichne gohts bi dene Bappele. My Zäichnigslehrer am Progymnasium, dr Georges Matt, sälber e begnaadete Künschtler und e sehr e temperamäntvolle Mensch, het eus nämmli äines Daages dr Uftraag geh, e Baum z moole. Mir häi e Wuche Zyt gha, und will i nach säggs Dääg no käi Pinselstrich uf mym Papyyr gha ha, bin i langsam, aber sicher in Paanik groote. Die letscht Nacht vor em Abgaabetermin isch aabroche. Plötzlig het mi die rettend Idee aagschosse: d Bappele.

 

I ha my zruggzooge in die künschtlerischi Äinsamkäit – und wie wild afoo moole. Mit dr Chooletechnik. I ha nüt me wele ghööre vo dr Wält, so versunke bin i gsii, fascht fiebrig. Dä Matt Georges bringt vor luter Stuune dr Chiifer allwä nümm zue, han i dänkt, woni am andere Moorge my Kunschtwärk underen Aarm klemmt haa. S isch denn allerdings ganz anderscht uusechoo. Dr Matt Georges het mi vor d Wandtaafele zitiert – und dört hani dr gwaltigscht Chläpper vo mym Lääben yygsteckt. I wäiss nid, weele Chopf rööter gsii isch – em Matt Georges syyn oder myyn. Du himmeltruurige Fötzel, het er my aabrielt, gibs zue, süscht rauschts.

 

Lang hani tapfer abgstritte. Aber dr Matt Georges isch gnadelos bliibe: Hopp, oder wotsch no äin an d Löffel? Am Schluss han i kapituliert. Joo, i ha die Bappele nid am Weier abzäichnet, sondern vom ene Bild vo eusem Prattler Genie, em Gysin Oski. Und will dr Matt Georges und dr Gysin Oski sich guet kennt häi, het my Lehrer my Kunschtwärk mit äim Blick as Plagiaat entlaarvt, äigentlig jo au e Komplimänt an mii: Mit mynere lingge Hand han i dr Oski tüschend ächt chönne noochemache. S Draama: I bi e Spuur z ächt gsii, e Spuur z guet für myni beschäidene Verheltnis.

 

Henusode, die saftig Ohrfyyge vom Matt Georges het alles in allem e ganz e gueti Wüürkig ghaa. I beschränk mi syt denn wider uf das, won i cha – eender schryyben as moole. Und wenn i emol mool, zum Byschpyyl Helgen an der Fasnacht, isch my Kunscht ganz chindlig-naiv, aber s isch au ganz myyni. Nur am Weier durzuckts mi amme no und i froog mi, öb dr Matt Georges hööch ooben im Himmel ächt immer no ne roots Gsicht überchunnt, wenn er mi under dene Bappele gseht ...

 

 

Chettereakzioon

 

I ha unmenschlig frieh miessen ufstoh. Völlig greederet bin i uf mym Göppel im eerschte Dämmerliecht Lieschtel zue gstramplet. Underwäggs han i gmeerkt, as i my Stahlschloss dehäi vergässe ha, und will mer z Lieschtel am Bahnhof scho zwee Velo gstohle woorde si, bin i halt zrugg pedaalt und ha das Schloss ghoolt. Jetz isch d Maarschtabälle aber böös ins Wanke choo. I bi soo in d Späiche glääge, as i in chürzischter Zyt e zündroote Mölli gha ha. Und denn heds mer ebe vor luter Ghetz chuurz vor Fränkedorf d Chetti uusegjagt. Und will i mi nid völlig dräckig ha welle mache – schliesslig han i an der Uni Freiburg e Seminar miesse halte – si öppe zwee Minute vergange, bis i die chrotte Chetti wider yyghänkt gha ha.

 

Jetz isch Matthäi am Letschte gsii. Won i z Lieschtel aaküücht bii, isch dr Schnällzuug grad yygfahre, usnahmswyys üüberpünktlich. I bi in hinterschte Waagen yyneghächtet, ohni Bileet. Hauptsach, i stand zur Zyt im Höörsaal und mach e Falle, han i dänkt. As der Zuug denn no öppe drei Minute gstande isch, han i jo nid chönne wüsse. Won er ändlig dervoogrollt isch, han i welle myni chaareschmiirischwaarze Pfööte go wäsche. Doch alles Fällele hed nüt gnützt: s eerschte WC isch gnauso kaputt und abgschlosse gsii wie s zwäite. Aso bin i halt mit myne Dräckhänd wider duuch uf e hinderscht Sitz vom hinderschte Waage ghockt.

 

Im Dunnel, chuurz vor Olte, isch es denn passiert. I ha käini Stämpeneie gmacht und der Kondüktööse sachlich gschilderet, zu was für ere komplexe Chettereakzioon

s zwüsche Prattele und Lieschtel choo isch. Si hed süffisant mit ire Wimpere klimperet und gfrogt, worum i denn as offesichtlige Moorgemuffel nid äifach e Bileet im Internet glööst häig vor em ins Bett goo. Bis hütt heds mer jo immer glängt am Automaat, han i uusebröösmelet, und usserdäm han i gschafft bis in alli Nacht. Das macht 90 Franke, hed si nume gmäint und statt mit de Wimpere uf irem zündrooten Apperäätli afo ummeklimpere. I ha ne Zeedeli gfasst mit der fetten Üüberschrift: Reise ohne gültigen Fahrausweis. Der ganz Waage hed my ins Visier gnoo. Mit myni choolraabeschwaarze Händ han i jo au usgseh wie ne klassische Halbkriminelle.

 

Demokratie hed halt ire Pryys, han i dänkt. Im Zuug si ally glyych. Und denn han i der Frau gsäit: Wüsse Si was, i schryyb in der Volksstimm e Kolumne über die Buess, no chumm i mid em Honoraar knapp wider in griene Beryych. Do hed si wie ne Mäiechääfer afo strahle und gfrogt: Dörf i ächt au e Kolumne schryybe? Wüsse Si, i ha eerscht voori z Sissach afo schaffe und häd my äigene Zuug jo au bimene Höörli verpasst. Mäi, han iich uf d Duube druckt. Chuurz vor em Bahnhof heds denn blitzt ... Wenn der also in de nöggschde Wuche plötzlig ere neue Kolumnischtin begeegnet. Nid verschrecke: dasch my „böösi“ Kondüktööse ... 

 

 

Fätze

 

Mir häi zum Yylaufe vor der Summerferien im Prättigau e prächtigi Bäärgwanderig gmacht, vo Pany us zum Gafier Joch. S isch e Daag wie im Määrli gsi. En äinzigs Wiirtschäftli heds im ganze Gafiadääli ghaa, und dört si mer notüürli yygchehrt. Mir si nid die Äinzige gsii. Alli si der Hüttewand entlang ghockt - wie Schwalben uf ere Telefoonläitig. Us eme Lutsprächer hed sich en uurchige Schottisch über eusi Chöpf ergosse, und wo d Serviertochter no my Salsiz und e Calanda-Bierli uf e Holztisch gstellt hed, bi mer voorchoo wie ne Heergöttli.

 

Underäinisch hed sich ufeme Trümmerfäld wyt üüber miir öppis afo reege. Zeerscht hani mynen Auge nid trout. Aber je lenger as i gluegt ha, umso sicherer bin i gsii. My Puls heed afo raase – nid us Angscht, näi, vor Begäischterig. Doch i ha mer nüt lo aameerke. Ganz rueig hani mi an d Geschteschaar gwändet und uf e Trümmertrichter zäigt: «Dört voorne lauft e Bäär der Hang uf», hani d Chatz usem Sack gloo. Jetzt isch der Tüüfel aber gründlich loos gsii. Innert Sekunde si alli hinder irne Fäldstächer ghockt. Bis i se an die richtig Stell glootst ha, isch der Bäär läider hinder eme Felse verschwunde. Doch glyy hed sich sy Siluette wider dütlich im wysse Schnee-Hindergrund abzäichnet.

 

Zeerscht hed me nur «oohh» und «aahh» ghöört, bis blötzlig äin us em Aargau mit emen eklige Strääberakzänt in d Rundi gwoorfe hed: «Dasch gläb käi Bäär». Scho hed au der Dütsche näbedraa bedänklich der Chopf afo schüttle. Und denn isch die ganz Euphorie ruck-zuck in sich zämmegsackt und i ha mi gfühlt wie ne prüüglete Hund: Käi Bäär, numen e Muurmeltier, aber was für äis. Doo isch sich d Expäärterundi äinig gsii: E soone fäisse Mungg hed no niemer gseh, e riisige Brocke, e geneetische Sonderfall. Und d Aart und Wyys, wie dä Mungg sich zwüsche de Felse bewegt hed, isch duur und duur bäärehaft gsi. Chuurz, niemer het mi usglacht, im Geegedäil: Alli si sich bewusst gsii, mir häi do e Jorhundert-Muurmeli voor is gha - und grad nomol e Rundi bstellt, zum uf dä Fätzen aastoosse.

 

Wärend d Serviertochter underwäggs gsii isch, hani mer chuurz an d Auge glängt und mi gfrogt, öbs jetz emänd Zyt syg für die eerscht Brülle -bezieigswyys, öb ich die Brülle, woni syt eme Johr haa, ächt emol set aalegge. I ha jo scho chüürzlig an ere Lääsig imene schummrige Chäller myni äigene Sätz chuum meh chönnen entziffere. Aber ebe: sone Brülle isch halt scho ne gwaltigen Yygriff, wemme so freihäitsliebend isch wien iich. Zum Glück hed mi d Servierdochter vo myne bööse Gedanken erlööst. «Uf s Muurmeltier», hed der Aargauer si Humpen erhoobe. «Auf unseren Bären und seinen Entdecker», het der Dütsch noochedopplet. Und i ha gmuurmlet: «Uf euse liebe Muurmelbäär!» Wär wäiss, vilicht bringt däm sy Entdecker jo hüt weenigschtens e baar Lääser/inne zum Schmunzle ... 

 

 

Ölfi Null Nill

 

Won i vor zwöi Johr my Tissot-Uhr verloore ha, han i vo äim Momänt uf en anderen en Ersatz miesse ha und im nöggschde Uhregschäft e schyggs Solaarmodäll boschtet. Wichtig isch mer gsii, ass i au cha d Zyt stoppe dermit, Datum und Wuchedaag cha abläasen und vor allem: mi am Morge lo wecke. All das hed my häiss gliebti Tissot nämmli au chönne.

 

D Verchöifere hed mer alli Funkzioone liebevoll yygstellt und bis zum eerschte Feeriefluug hed au alles beschtens funkzioniert. Aber uf däm Fluug hed s Schicksaal s welle, as mer häi miesse d Zytzoone wäggsle. I ha bis zur Landig wie wild uf myne drei Chnöpf ummeknöpflet und s denn daatsächlig gschafft, d Uhr um e Stund voorzstelle. S Dumm isch nume gsii, ass der Alaarm am nöggschde Moorgen am Nüüni statt am Siibeni ab isch. E klassische Fehlalaarm ... Dasch zum Glück nid wyter traagisch gsii. Schliesslig häi mer jo Feerie ghaa.

 

Scho eender traagisch hed sich s Ganze nach em Rückfluug entwicklet. I has under Ufbietig vo de letschte Hiirnzälle zwaar wider fertig brocht, d Uhr zruggzstelle. Doch am nöggschde Moorgen isch der Alaarm statt am Siibeni sogaar erscht am Zähni ab. Das hed mi gründlig us em Rütmus brocht. I bi jo sowisoo e Moorgemuffel und ha graauehaft Angscht vor em Tschäädere vomene Wecker. E diskreets Uhrepyypsen wie vome früsch gschlüpfte Vöögeli isch s Äinzig, won i vorem eerschte Kaffi verträäg.

 

Zeerscht han i my technisch versierte Sohn gfrogt, öb är d Alaarmfunkzioon tschegg. Wo dääs au nid gschafft hed, han i mit myner Zauberuhr e mehrwüchigi Tournee zu Fründe, Bekannten und Verwandte undernoh. Mäi, häi die an dene Chnöpfli ummegschrüüblet und –knüüblet. Aber nid emol der Hanspi mit sym technische Wunderduume hed dä Alaarm chönne zur Vernunft bringe, näi, am Schluss vo myner Tour sich my Uhr Punkt Ölfi Null Null loosgange. Käi Mensch cha dä chrotten Alaarm stoppe, nid emol d Verchöifere, wo mer die Uhr synerzyt yygstellt het. Syt villne Wuche pyypsts an mym Handglänk drum jeede Moorge pünktlich am Ölfi – und i verschrick jeedes Mool vo Neuem.

 

Männgisch triffts mi in den unmöögligschte Situazioone, zmitts an ere Sitzig, im Waartsaal vom Zahnarzt - und i raas mit em Zäigfinger vo der rächte Hand an Chnopf, wo me das Pyypsen immerhyyn cha stoppe. Mit der Zyt han i e wohri Mäischterschaft im Stoppen entwickelt, so dass dä spoot Alaarm de mäischte Lüt gar nid uffallt. Miir aber säit das Pyypse Daag für Daag, ass i myner Uhr usgliiferet bii. I ha se zwaar am Glänk, aber sii hed mii im Griff. Und wills e sone tolli Solaaruhr isch, wo käini Batterie brucht, wird sie eewig wyterlaufe - bis i stiirb. Eerscht wenn i im Graab ligg, wo käi Liecht me yynechunnt, wiird si der Gäischt ufgeh, e baar Dääg nach miir. Denn wiird i dief under der Äärden ändlig nümm verschrecken am Ölfi Null Null.

 

 

Surprise

 

I bi wider emol e paar Dääg ins Refugium vo mynen Eltere ins Wälsche go schryybe. Si häi e Wohnig im emene Mehrfamiliehuus in de Bäärge. E Huuswaart sorgt für Rue und Oornig. Und wäg dr Rue fahr i schliesslig jo dört uufe. Me mues äifach sälber druf achte, dass me nüt loot lo ligge und zooben ab de nüüne d Huustüür abschliesst. Süscht isch Schluss mit Friide. Dr Huuswaart passt nämmli uf wie ne Häftlimacher und wenn men emol öppis loht lo stoh, setzts e Dunnerwätter ab in schönschtem Französisch.

 

Also ha mer wie immer Mieh geh zum joo nid negativ uffalle. Bis tief in d Nacht bin i am Laptop ghockt und ha still myni Sätz in Compi ghackt. Drno bin i in e tiefe, gsunde Schloof gfalle, au in dr Nacht vom Frytig uf e Samschtig. Aber am Samschtig am Morge, öppen am halb säggsi, isch underäinisch e gwaltigs Chroosen in mys verschloofe Hiirni drunge. Zerscht bin i überhaupt nid druss choo. Denn hani d Ohren afo scharf stelle. I ha d Quelle vo däm Chroosen immer dütlicher goortet: unglaublig, diräkt vor myner Wohnigstüür. Und das Chroose het sich als Schnaarchen entpuppt. Und zwar e soone gwaltigs Schnnaarche, wien is gläb s ganz Lääbe no nie ghöört ha. D Wänd häi buechstäblig beebt.

 

I bi an d Tüür gschliche. Vorusse hets gruesst, wie wenn dr öölverschmiirt Motoor vom enen alte Fischkutter uf de Wältemeer am Explodiere weer. Ab und zue het dä Motoor chuurz usgsetzt und denn umso verruckter wyterdröhnt. Was mache? Jetz hets au no afo rülpsen und goorpse. E tiefi Stimm het ufgstöhnt. S Stöhnen isch in Röchlen übergange. Isch do äin am Stäärbe, hani my bang gfrogt. Mues en emänd go rette? In däm Momänt hets nach Chöörblen afo dööne. O jemine, au das no.

 

Und gnau jetz isch mr dr Huuswaart in Sinn choo mit syni Flädermuusohre und syne Üülenauge. Dä ghöört und gseht das sicher mindeschtens so guet wien iich, hani dänkt, dä guet Maa sorgt bestimmt uf dr Stell für Oornig. Und drum bini – zuegeh mit nid ganz luperäinem Gwüsse – ins Bett zruggdüsselet. Dusse hets witer kolderet und polteret. Aber s het mi dunkt, das Poltere wärd langsam e chly dämpfter und entfäärn sich Tritt für Tritt d Stääge duruf. I bi wider in en Aart Halbschloof gfalle.

 

Am halb achti isch denn dr grooss Momänt choo: Uf alles gfasst, hani d Wohnigstüür e Spalt wyt ufgmacht. Erbrochnigs isch mer zum Glück nid entgeegegschwappt. Aber linggs und rächts vo dr Tüür isch je e bruune Trekkingschue gläge. I ha die Schue ufglääsen und se schöön näbenenand under d Briefchäschte gstellt. Am zwöi zmittag si si no dört gstande. Am vieri au. Doch wäär spaziert nid am säggsi zoobe in dene bruune Schue under mym Balkon duure und luegt sträng zu mir uufe, öb i joo au Oornig häig: euse Huuswaart. Quelle surprise, hani dänkt, zwüschen eme Häilige und eme Schyynhäilige liggen amme nuur e paar Stäägetritt.

 

 

Proschtli, Maa!

 

Langsam wirds au mir e chly wiehnächtlich zmuet. Gschänkli han i zwar no käini, aber dasch au nümm so wichtig in mym Alter. Mii bringen eender Gschichtli in Stimmig. Dass my Frau zum Bischpil im Wiehnachts-Musical für die alte Lütt z Augscht ganz unverhofft as chlyyses Eseli hed miessen yyspringe, will e Chind statt go probe äimol am e Samschtig rasch hed miessen uf London go shoppe, en anders Mol im erschte Schnee uf de Schyy go caarve. Gib nid uf, chlyyne Esel, häisst das Musical. Und jetz stygt also e Mäitli, d Maria, myner Frau, em chlyyne, alten Eseli, uf e Rugge. Und my Frau bockt – und macht I-Aaaa, I-Aaaa, will ere a) der Rugge fescht weh macht und will si b) lut Dräibuech jo richtig störrisch muess sii. Käi Wunder, das Eseli wird nämmlig die ganz Zyt plogt und darf nie Pause mache. Es mues der lieb lang Tag chrampfe. Dasch fascht wie im rächte Läbe, hani gschmunzlet. Aber im Musical passiert notürli s Wunder – bim Chrippli vom alten Eseli, wo uf äimol e Chindli dinn lyt und strahlt. Und s alten Eseli isch underäinisch nümm störrisch und träit d Maria und s Chindli süüferli, süüferli uf Ägypte. Es chunnt alles guet, strahlt s Eseli. I-Aaaa, I-Aaaa, I-Aaaa!

 

Strahle cha au der Lukas. Är hed dörfe mit em Mami Zug fahre. Will der Zug scho zimmli voll gsi isch, häi si imenen Abtäil wellen absitze, wo scho ne Maa gsässen isch. Das hed däm ganz und gar nid passt. Er hed doo wie ne Sirach und brüelt: „Dir verdammte Souhünd, ich bring ech alli um!“ S Mami isch ganz vergelschteret gsii ab däm groosse, massige Wüetrich und s hed gsäit: „Chumm Lukas, mir sitzen an en anderen Ort.“ – „Näi, Mama, ich blyb doo und äss my Znüni“, hed der Lukas glasse gantwortet. Der grooss Maa hed wytertoobt. Und der Lukas hed seelerueig sy Zässen und Trinken uspackt. „Proschtli, Maa“, het er em andere fröhlig zuegruefe und sy Fläschli ufghebt. Der Maa hed zerscht no wytergschumpfe. Aber denn isch er stiller und stiller woorde. „Proscht, Bueb, wie häissisch du?“, hed er plötzlig gfrogt. - „Lukas“. Nach eme Wyyli hed der Zug ghalte. Der Maa isch ufgstande und hed em Lukas d Hoor gstryychlet. “Danggschön, liebe Bueb“, hed er gsäit, „jetz gohts wider guet.“ Dusse hed er no gwunke. Sy Gsicht isch ganz anderscht gsii.

 

Der Lukas hed s Down Syndrom. Chüürzli hed sy Groossmutti iim my letschti Mundart-Kolumne zäigt. Do hed der Lukas öppis gsäit, wos au miir warm ums Härz worden isch: „Der Markus hed e liebs Gsicht!“ Zeerscht hanis fascht nid welle glaube. Iich, wo hüffig ungwollt sone Möffi mach. Aber der Lukas heds nomol lut und dütlich widerholt. „Der Markus hed e liebs Gsicht!“ Joo, dasch doch Wiehnacht! Drum wünsch i Euch allne Proschtli - und ganz vil helli Wiehnachtsgsichtergschichte. 

 

 

Schweiz am Wochenende

 

Landblog 2017, Auszug

 

Zugentzug im

Homburgertal

 

Geht es nach dem Sparwillen des Landrats, tut das Läufelfingerli Ende 2019 seinen letzten Schnauf. Nicht nur die Menschen im Homburgertal stehen dann neben den Schienen. Nein, der kollektive Seelenfrieden der Oberbaselbieter ist am Entgleisen. Auch Busverbindungen werden verdünnt. Ganze Talschaften werden in absehbarer Zeit ohne Poststelle sein. In vielen Dörfern ist die letzte Beiz bereits verschwunden, hat der Dorfladen dicht gemacht. Es tötelet in den Chrächen und auf den Hochflächen. Alteingessene und Neuzuzüger sind plötzlich gleichermassen Randständige, Fahrgäste dritter Klasse.

 

In der Kapitale plant man gleichzeitig einen noblen Vorzeigebahnhof. Von Liestal an abwärts sind die Agglomerationszüge voll, quietschen die überfüllten Trams in jeder Kurve, quetscht man zusätzliche Schienen in den Margarethenstich, um ein paar Minuten zu gewinnen, während man oben in Rünenberg und unten in Rümlingen stundenlang im Durchzug auf Busse und Geisterzüge wartet, die nie mehr kommen. Das ganze Jahr ist Fastenzeit auf dem Abstellgleis. Kein Wunder wächst die Wut im Oberbaselbieterbauch.

 

Abwandern in die Wohn- und Bürotürme im Speckgürtel? Oder per Referendum kämpfen, scheinbar gegen jede monetäre Vernunft? Oder einfach träumen statt resignieren? Von einer Zauber-App, die bald jeden massgeschneidert nach Hause bringt? Von einem anonymen Mäzen, der statt ein Elefantenhaus eine Bahnlinie samt Tunnel sponsert? Von Zivildienstleistenden, die als Nachttaxifahrer zum Spartarif auch noch den letzten verlorenen Aussenhof ansteuern? Von Biwaks an den Taleingängen, wo die gestrandeten Oberbaselbieter Jugendlichen nach dem nächtlichen Ausgang in der Stadt ihren Kater ausschlafen können, bis wieder ein Bus fährt? Not macht erfinderisch. Drücken wir dem Oberbaselbiet alle verfügbaren Daumen!

 


Win-Win-Win-

Situation fürs

Bruderholz

 

Viele blutende Prämienzahler im Kanton Baselland kommen sich angesichts der verbalen Gefechte und dem dichten Pulverdampf rund ums Bruderholz zunehmend als orientierungslose „dummi Sieche“ vor. Gleichzeitig laufen die Ärzte im Geschosshagel scharenweise davon. Und das Personal hyperventiliert mit den Bettlägerigen um die Wette. Was tun? Früher hat man die Siechen, die Aussätzigen, möglichst weit weg von den Gesunden in Siechenhäuser gesteckt. Ob die armen Siechen vom Siechenhaus St. Jakob aus 1444 zuschauten, wie die Vorhut des eidgenössischen Heeres vom französischen Söldnerheer aufgerieben wurde? Sicher bekamen sie nicht mehr mit, dass sich ihr Spittel, nachdem die Lepra im 16. Jahrhundert weitgehend eliminiert worden war, zu einem Asyl für Alte und chronisch Kranke entwickelte.

 

Warum also nicht auch das Spittel auf dem Bruderholz weiterentwickeln? Im Erdgeschoss könnten all jene Notfälle Asyl erhalten, die sonst durch sämtliche Raster fallen: Polizisten mit Langfingerauswüchsen etwa. Im ersten Stock liesse sich eine Reha für traumatisierte Landrätinnen und Landräte einrichten, die allfällige Opfer der Amtszeitbeschränkung werden. Und der zweite Stock könnte dem ins Koma verfallenen Komitee „Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen“ für Selbsterweckungsversuche in letzter Minute vermietet werden.

 

Damit böten sich für alle drei kantonalen Vorlagen vom kommenden Wochenende unter einem Dach konstruktive Sofortlösungen an. Der oberste Stock schliesslich stünde exklusiv der Baselbieter Regierung zur Verfügung. Mit Entspannungstherapien, Stärkung des Geistes und Massagen könnte sie angesichts des drohenden 100 Millionen-Abschreibers auf die A18 und A22 zu innerer Ruhe finden. Ruhe ist bekanntlich oberstes Gebot für jeden Genesungsprozess.

 

 

Infusion

gegen

Konfusion?


Die Augen der Polit-Chefärzte beider Basel, Engelberger und Weber, haben gefunkelt, als sie vor Tagen die Fusion des Universitätsspitals Basel mit dem Kantonsspital Baselland verkündeten – ohne finanzielle Infusion der Stadt, die den Landkanton zu einem Bewertungstarif von 28.5% gnädig als Juniorpartner in die Allgemeine Abteilung aufnimmt..

 

Der gebeutelte Partner, der seit geraumer Zeit nur mit einer Niere lebt, kann froh sein, wenn es ihm in nächster Zeit nicht noch mehr an die Nieren geht. Immerhin hat sich der Junior im OPS ein Vetorecht ergattert. Darüber hinaus tut Juniorchef Weber gut daran, die schwer Hustenden aus den eigenen SVP-Reihen regelmässig mit dem Stethoskop abzuhören und ihnen reichlich reizlindernden Sirup zu applizieren, die vielen fiebrigen Bürgerlichen nach Grossmutterart zum Nulltarif mit Essigsocken abzukühlen, das Bauchweh der SP angesichts sich abzeichnender Beteiligungen privater Player nicht als Phantomschmerz zu diagnostizieren und nötigenfalls den einen oder andern glutrot entzündeten Blinddarm diskret zu entfernen.

 

Die Sommerferien sind geschickt gewählt, um die für viele schwer verdauliche Fusionskost auf den Spitalteller zu bringen. Trotzdem ist den Fusionären zu raten, einen Notvorrat an Zäpfchen gegen Verstopfung anzuschaffen. Wahrscheinlich braucht es auch noch das eine oder andere Randgruppen beruhigende Zugeständnis, etwa ein rollendes Gebärabteil im reanimierten Läufelfingerli, mit Notfallhalt in Buckten. Und vielleicht entwickelt Roche ja angesichts sich abzeichnender politischer Verwirr- und Ränkespiele schon bald eine Infusion gegen Konfusion. Dann stossen wir frohgemut über Partei- und Kantonsgrenzen hinweg auf die Gesundheit der beiden Partner und auf beidseits sinkende Krankenkassenprämien an!

 

 

Dicker Rauch

über Reinach

 

Natürlich kann man jetzt schadenfreudig kalauern: Hintermann nimmt Hintertür. Wer bringt nun Reinach auf Vordermann? Der König nimmt sich aus dem Spiel. Presi steckt Kopf in den Sand respektive Schlamm. Nur: Was in Reinach passiert, kann überall passieren. Hintermann ist jedermann, Seldwyla lässt grüssen. Es raucht, weil es menschelt. Wehret den Anfängen. Da entflammt eine Betreuerin im Asylheim zu einem 17-jährigen in Liebe. Da läuft eine andere Betreuerin hinzu und sieht den Funken ins Heimdach überspringen – und niemand greift entschieden zum Feuerlöscher.

 

Schon züngeln die emotionalen Flämmchen auf die Verwaltung über, beschleunigt durch mediale Sturmwinde, die durch alle Ritzen flitzen. Das sind vorzügliche Ingredienzen für eine kommunale Soap-Opera. In Kürze mottet und qualmt es. Die Augen und die Herzen tränen. Der Rauch vernebelt die Hirne. Freund und Feind geistern durcheinander. Die rauchvergiftete Linke stolpert auf der verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit über sich selbst. Jede und jeder giesst im Dusel sein eigenes Öl ins Feuer – das Öl der Eitelkeit, der verletzten Ehre, der Engstirnigkeit. Man kann nicht anders, weil man nicht anders kann. Das Hirn schützt sich vor sich selbst, indem es den Zünzeler gesetzmässig im andern sucht.

 

Am Anfang war die Liebe, am Schluss geht es – wie meist – um Macht und Ohnmacht. Kommunikation ist eine Kunst, im rechten Moment das rechte Wort zu finden, eine Gnade. Urs Hintermann schweigt. Schade. Nur wer über sich selbst lachen kann, entkommt diesem kleinen Inferno. Doch wer kann das schon? Schadenfreude ist fehl am Platz. Der Umgang mit Zündhölzern und das Lachen über sich selbst wollen früh geübt sein, am besten bereits im Kindergarten, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans bekanntlich nimmermehr.

 

 

Morgenröte

über dem Bölchen

 

Der Baselbieter Säckelmeister Anton Lauber strahlt. Die Aussichten sind nicht mehr rot, sondern rosig. Das macht Mut.  Wer weiss, vielleicht schafft es Baselland, sich bis zum Eidgenössischen Schwingfest 2022 in Pratteln so stark zu präsentieren, dass man unter den 26 Kantonen von einem richtig austrainierten, „Bösen“ redet. Um sich in Höchstform zu bringen, sollten sich die Spitzenschwinger/innen vom Land daher bereits nächstes Jahr im Schwingkeller neue, überraschende Kombinationen antrainieren:

 

Monika Gschwind den offenen Uni-Hüfter (nicht zu verwechseln mit dem Hülftenschanzer) mit partnerschaftlicher Hebelwirkung als Ausgangslage für den freien Theater-Brienzer, der dem Stadttheater zwar kaum einen Baselbieter als neuen Theaterdirektor beschert, den Landkanton aber vom Image als Sterbender Schwan befreit; Anton Lauber: den durch eine Kurzfinte vorbereiteten finanziellen Übersprung, gefolgt von einem strammen Gammen; Sabine Pegoraro: den Kurz-Lätz in Verbindung mit dem Wyyberhogge, im 2018 hoffentlich ohne die sattsam bekannte Zeitverzögerung beim Grifffassen und ohne das verpönte Einschalten von Kunstpausen zum Verschnaufen.

 

Isaac Reber wünscht man viel Spass an dem in aller Freundschaft abgesprochenen Gestellten mit Kollege Baschi Dürr und einen scharfen Blick darauf, dass der Muni für den Schwingerkönig nicht schon vor dem Fest in Sissach öffentlich geschlachtet wird. Thomas Weber schliesslich möge, unter Vermeidung roher und gefährlicher Griffe, die Perfektionierung des glatten Spital-Platten gelingen. – Stimmt die Form, werden 2022 abertausende Schwingfans ins Baselbiet pilgern und zwischen Festzelt und Tafeljura tafeln. Viele werden in Extrazügen mit dem Läufelfingerli anreisen, das pünktlich zum Fest ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wird.

 

 

 

 

BUCHVERNISSAGE «IN EINER UNMÖBLIERTEN NACHT»

26. April 2018, 19.30 Uhr, Kultur- und Sportzentrum Pratteln

 

Sehen Sie hier die Zusammenfassung von Kurt Suter, pratteln.net