Leseproben

Mundart-Kolumnen «Volksstimme»

Bappele

 

Wenn immer mööglig möche my Frau und ich nach em Mittagässe e Verdauigsspaziergang – hinderen ins Daal und zrugg dur d Rääbe. Zhinderscht im Dall chralle sich bim Weier e baar altehrwüürdigi Bappele in Boode. All baar Wuche säit my Frau mit soorgevollem Blich uf die morschen Escht vo dene Bäum: Jetz isch denn allwä ändgültig Schluss. Und si säit das esoo truurig, dass sogar den Änten im Weier klar isch: Für my Frau si die Bappele fascht häilig.

 

I sälber ha ne zwyyspältigs Verheltnis zu dene Bäum. Do drzue muess me wüsse, dass i Linggshänder bii. Und Linggshänder häis in dr Schuel bekanntlig schweer, bsunders im Schryybe, im Wäärche – und im Zäichne. Und ums Zäichne gohts bi dene Bappele. My Zäichnigslehrer am Progymnasium, dr Georges Matt, sälber e begnaadete Künschtler und e sehr e temperamäntvolle Mensch, het eus nämmli äines Daages dr Uftraag geh, e Baum z moole. Mir häi e Wuche Zyt gha, und will i nach säggs Dääg no käi Pinselstrich uf mym Papyyr gha ha, bin i langsam, aber sicher in Paanik groote. Die letscht Nacht vor em Abgaabetermin isch aabroche. Plötzlig het mi die rettend Idee aagschosse: d Bappele.

 

I ha my zruggzooge in die künschtlerischi Äinsamkäit – und wie wild afoo moole. Mit dr Chooletechnik. I ha nüt me wele ghööre vo dr Wält, so versunke bin i gsii, fascht fiebrig. Dä Matt Georges bringt vor luter Stuune dr Chiifer allwä nümm zue, han i dänkt, woni am andere Moorge my Kunschtwärk underen Aarm klemmt haa. S isch denn allerdings ganz anderscht uusechoo. Dr Matt Georges het mi vor d Wandtaafele zitiert – und dört hani dr gwaltigscht Chläpper vo mym Lääben yygsteckt. I wäiss nid, weele Chopf rööter gsii isch – em Matt Georges syyn oder myyn. Du himmeltruurige Fötzel, het er my aabrielt, gibs zue, süscht rauschts.

 

Lang hani tapfer abgstritte. Aber dr Matt Georges isch gnadelos bliibe: Hopp, oder wotsch no äin an d Löffel? Am Schluss han i kapituliert. Joo, i ha die Bappele nid am Weier abzäichnet, sondern vom ene Bild vo eusem Prattler Genie, em Gysin Oski. Und will dr Matt Georges und dr Gysin Oski sich guet kennt häi, het my Lehrer my Kunschtwärk mit äim Blick as Plagiaat entlaarvt, äigentlig jo au e Komplimänt an mii: Mit mynere lingge Hand han i dr Oski tüschend ächt chönne noochemache. S Draama: I bi e Spuur z ächt gsii, e Spuur z guet für myni beschäidene Verheltnis.

 

Henusode, die saftig Ohrfyyge vom Matt Georges het alles in allem e ganz e gueti Wüürkig ghaa. I beschränk mi syt denn wider uf das, won i cha – eender schryyben as moole. Und wenn i emol mool, zum Byschpyyl Helgen an der Fasnacht, isch my Kunscht ganz chindlig-naiv, aber s isch au ganz myyni. Nur am Weier durzuckts mi amme no und i froog mi, öb dr Matt Georges hööch ooben im Himmel ächt immer no ne roots Gsicht überchunnt, wenn er mi under dene Bappele gseht ...

 

 

Chettereakzioon

 

I ha unmenschlig frieh miessen ufstoh. Völlig greederet bin i uf mym Göppel im eerschte Dämmerliecht Lieschtel zue gstramplet. Underwäggs han i gmeerkt, as i my Stahlschloss dehäi vergässe ha, und will mer z Lieschtel am Bahnhof scho zwee Velo gstohle woorde si, bin i halt zrugg pedaalt und ha das Schloss ghoolt. Jetz isch d Maarschtabälle aber böös ins Wanke choo. I bi soo in d Späiche glääge, as i in chürzischter Zyt e zündroote Mölli gha ha. Und denn heds mer ebe vor luter Ghetz chuurz vor Fränkedorf d Chetti uusegjagt. Und will i mi nid völlig dräckig ha welle mache – schliesslig han i an der Uni Freiburg e Seminar miesse halte – si öppe zwee Minute vergange, bis i die chrotte Chetti wider yyghänkt gha ha.

 

Jetz isch Matthäi am Letschte gsii. Won i z Lieschtel aaküücht bii, isch dr Schnällzuug grad yygfahre, usnahmswyys üüberpünktlich. I bi in hinterschte Waagen yyneghächtet, ohni Bileet. Hauptsach, i stand zur Zyt im Höörsaal und mach e Falle, han i dänkt. As der Zuug denn no öppe drei Minute gstande isch, han i jo nid chönne wüsse. Won er ändlig dervoogrollt isch, han i welle myni chaareschmiirischwaarze Pfööte go wäsche. Doch alles Fällele hed nüt gnützt: s eerschte WC isch gnauso kaputt und abgschlosse gsii wie s zwäite. Aso bin i halt mit myne Dräckhänd wider duuch uf e hinderscht Sitz vom hinderschte Waage ghockt.

 

Im Dunnel, chuurz vor Olte, isch es denn passiert. I ha käini Stämpeneie gmacht und der Kondüktööse sachlich gschilderet, zu was für ere komplexe Chettereakzioon

s zwüsche Prattele und Lieschtel choo isch. Si hed süffisant mit ire Wimpere klimperet und gfrogt, worum i denn as offesichtlige Moorgemuffel nid äifach e Bileet im Internet glööst häig vor em ins Bett goo. Bis hütt heds mer jo immer glängt am Automaat, han i uusebröösmelet, und usserdäm han i gschafft bis in alli Nacht. Das macht 90 Franke, hed si nume gmäint und statt mit de Wimpere uf irem zündrooten Apperäätli afo ummeklimpere. I ha ne Zeedeli gfasst mit der fetten Üüberschrift: Reise ohne gültigen Fahrausweis. Der ganz Waage hed my ins Visier gnoo. Mit myni choolraabeschwaarze Händ han i jo au usgseh wie ne klassische Halbkriminelle.

 

Demokratie hed halt ire Pryys, han i dänkt. Im Zuug si ally glyych. Und denn han i der Frau gsäit: Wüsse Si was, i schryyb in der Volksstimm e Kolumne über die Buess, no chumm i mid em Honoraar knapp wider in griene Beryych. Do hed si wie ne Mäiechääfer afo strahle und gfrogt: Dörf i ächt au e Kolumne schryybe? Wüsse Si, i ha eerscht voori z Sissach afo schaffe und häd my äigene Zuug jo au bimene Höörli verpasst. Mäi, han iich uf d Duube druckt. Chuurz vor em Bahnhof heds denn blitzt ... Wenn der also in de nöggschde Wuche plötzlig ere neue Kolumnischtin begeegnet. Nid verschrecke: dasch my „böösi“ Kondüktööse ... 

 

 

Fätze

 

Mir häi zum Yylaufe vor der Summerferien im Prättigau e prächtigi Bäärgwanderig gmacht, vo Pany us zum Gafier Joch. S isch e Daag wie im Määrli gsi. En äinzigs Wiirtschäftli heds im ganze Gafiadääli ghaa, und dört si mer notüürli yygchehrt. Mir si nid die Äinzige gsii. Alli si der Hüttewand entlang ghockt - wie Schwalben uf ere Telefoonläitig. Us eme Lutsprächer hed sich en uurchige Schottisch über eusi Chöpf ergosse, und wo d Serviertochter no my Salsiz und e Calanda-Bierli uf e Holztisch gstellt hed, bi mer voorchoo wie ne Heergöttli.

 

Underäinisch hed sich ufeme Trümmerfäld wyt üüber miir öppis afo reege. Zeerscht hani mynen Auge nid trout. Aber je lenger as i gluegt ha, umso sicherer bin i gsii. My Puls heed afo raase – nid us Angscht, näi, vor Begäischterig. Doch i ha mer nüt lo aameerke. Ganz rueig hani mi an d Geschteschaar gwändet und uf e Trümmertrichter zäigt: «Dört voorne lauft e Bäär der Hang uf», hani d Chatz usem Sack gloo. Jetzt isch der Tüüfel aber gründlich loos gsii. Innert Sekunde si alli hinder irne Fäldstächer ghockt. Bis i se an die richtig Stell glootst ha, isch der Bäär läider hinder eme Felse verschwunde. Doch glyy hed sich sy Siluette wider dütlich im wysse Schnee-Hindergrund abzäichnet.

 

Zeerscht hed me nur «oohh» und «aahh» ghöört, bis blötzlig äin us em Aargau mit emen eklige Strääberakzänt in d Rundi gwoorfe hed: «Dasch gläb käi Bäär». Scho hed au der Dütsche näbedraa bedänklich der Chopf afo schüttle. Und denn isch die ganz Euphorie ruck-zuck in sich zämmegsackt und i ha mi gfühlt wie ne prüüglete Hund: Käi Bäär, numen e Muurmeltier, aber was für äis. Doo isch sich d Expäärterundi äinig gsii: E soone fäisse Mungg hed no niemer gseh, e riisige Brocke, e geneetische Sonderfall. Und d Aart und Wyys, wie dä Mungg sich zwüsche de Felse bewegt hed, isch duur und duur bäärehaft gsi. Chuurz, niemer het mi usglacht, im Geegedäil: Alli si sich bewusst gsii, mir häi do e Jorhundert-Muurmeli voor is gha - und grad nomol e Rundi bstellt, zum uf dä Fätzen aastoosse.

 

Wärend d Serviertochter underwäggs gsii isch, hani mer chuurz an d Auge glängt und mi gfrogt, öbs jetz emänd Zyt syg für die eerscht Brülle -bezieigswyys, öb ich die Brülle, woni syt eme Johr haa, ächt emol set aalegge. I ha jo scho chüürzlig an ere Lääsig imene schummrige Chäller myni äigene Sätz chuum meh chönnen entziffere. Aber ebe: sone Brülle isch halt scho ne gwaltigen Yygriff, wemme so freihäitsliebend isch wien iich. Zum Glück hed mi d Servierdochter vo myne bööse Gedanken erlööst. «Uf s Muurmeltier», hed der Aargauer si Humpen erhoobe. «Auf unseren Bären und seinen Entdecker», het der Dütsch noochedopplet. Und i ha gmuurmlet: «Uf euse liebe Muurmelbäär!» Wär wäiss, vilicht bringt däm sy Entdecker jo hüt weenigschtens e baar Lääser/inne zum Schmunzle ... 

 

 

Ölfi Null Nill

 

Won i vor zwöi Johr my Tissot-Uhr verloore ha, han i vo äim Momänt uf en anderen en Ersatz miesse ha und im nöggschde Uhregschäft e schyggs Solaarmodäll boschtet. Wichtig isch mer gsii, ass i au cha d Zyt stoppe dermit, Datum und Wuchedaag cha abläasen und vor allem: mi am Morge lo wecke. All das hed my häiss gliebti Tissot nämmli au chönne.

 

D Verchöifere hed mer alli Funkzioone liebevoll yygstellt und bis zum eerschte Feeriefluug hed au alles beschtens funkzioniert. Aber uf däm Fluug hed s Schicksaal s welle, as mer häi miesse d Zytzoone wäggsle. I ha bis zur Landig wie wild uf myne drei Chnöpf ummeknöpflet und s denn daatsächlig gschafft, d Uhr um e Stund voorzstelle. S Dumm isch nume gsii, ass der Alaarm am nöggschde Moorgen am Nüüni statt am Siibeni ab isch. E klassische Fehlalaarm ... Dasch zum Glück nid wyter traagisch gsii. Schliesslig häi mer jo Feerie ghaa.

 

Scho eender traagisch hed sich s Ganze nach em Rückfluug entwicklet. I has under Ufbietig vo de letschte Hiirnzälle zwaar wider fertig brocht, d Uhr zruggzstelle. Doch am nöggschde Moorgen isch der Alaarm statt am Siibeni sogaar erscht am Zähni ab. Das hed mi gründlig us em Rütmus brocht. I bi jo sowisoo e Moorgemuffel und ha graauehaft Angscht vor em Tschäädere vomene Wecker. E diskreets Uhrepyypsen wie vome früsch gschlüpfte Vöögeli isch s Äinzig, won i vorem eerschte Kaffi verträäg.

 

Zeerscht han i my technisch versierte Sohn gfrogt, öb är d Alaarmfunkzioon tschegg. Wo dääs au nid gschafft hed, han i mit myner Zauberuhr e mehrwüchigi Tournee zu Fründe, Bekannten und Verwandte undernoh. Mäi, häi die an dene Chnöpfli ummegschrüüblet und –knüüblet. Aber nid emol der Hanspi mit sym technische Wunderduume hed dä Alaarm chönne zur Vernunft bringe, näi, am Schluss vo myner Tour sich my Uhr Punkt Ölfi Null Null loosgange. Käi Mensch cha dä chrotten Alaarm stoppe, nid emol d Verchöifere, wo mer die Uhr synerzyt yygstellt het. Syt villne Wuche pyypsts an mym Handglänk drum jeede Moorge pünktlich am Ölfi – und i verschrick jeedes Mool vo Neuem.

 

Männgisch triffts mi in den unmöögligschte Situazioone, zmitts an ere Sitzig, im Waartsaal vom Zahnarzt - und i raas mit em Zäigfinger vo der rächte Hand an Chnopf, wo me das Pyypsen immerhyyn cha stoppe. Mit der Zyt han i e wohri Mäischterschaft im Stoppen entwickelt, so dass dä spoot Alaarm de mäischte Lüt gar nid uffallt. Miir aber säit das Pyypse Daag für Daag, ass i myner Uhr usgliiferet bii. I ha se zwaar am Glänk, aber sii hed mii im Griff. Und wills e sone tolli Solaaruhr isch, wo käini Batterie brucht, wird sie eewig wyterlaufe - bis i stiirb. Eerscht wenn i im Graab ligg, wo käi Liecht me yynechunnt, wiird si der Gäischt ufgeh, e baar Dääg nach miir. Denn wiird i dief under der Äärden ändlig nümm verschrecken am Ölfi Null Null.

 

 

Surprise

 

I bi wider emol e paar Dääg ins Refugium vo mynen Eltere ins Wälsche go schryybe. Si häi e Wohnig im emene Mehrfamiliehuus in de Bäärge. E Huuswaart sorgt für Rue und Oornig. Und wäg dr Rue fahr i schliesslig jo dört uufe. Me mues äifach sälber druf achte, dass me nüt loot lo ligge und zooben ab de nüüne d Huustüür abschliesst. Süscht isch Schluss mit Friide. Dr Huuswaart passt nämmli uf wie ne Häftlimacher und wenn men emol öppis loht lo stoh, setzts e Dunnerwätter ab in schönschtem Französisch.

 

Also ha mer wie immer Mieh geh zum joo nid negativ uffalle. Bis tief in d Nacht bin i am Laptop ghockt und ha still myni Sätz in Compi ghackt. Drno bin i in e tiefe, gsunde Schloof gfalle, au in dr Nacht vom Frytig uf e Samschtig. Aber am Samschtig am Morge, öppen am halb säggsi, isch underäinisch e gwaltigs Chroosen in mys verschloofe Hiirni drunge. Zerscht bin i überhaupt nid druss choo. Denn hani d Ohren afo scharf stelle. I ha d Quelle vo däm Chroosen immer dütlicher goortet: unglaublig, diräkt vor myner Wohnigstüür. Und das Chroose het sich als Schnaarchen entpuppt. Und zwar e soone gwaltigs Schnnaarche, wien is gläb s ganz Lääbe no nie ghöört ha. D Wänd häi buechstäblig beebt.

 

I bi an d Tüür gschliche. Vorusse hets gruesst, wie wenn dr öölverschmiirt Motoor vom enen alte Fischkutter uf de Wältemeer am Explodiere weer. Ab und zue het dä Motoor chuurz usgsetzt und denn umso verruckter wyterdröhnt. Was mache? Jetz hets au no afo rülpsen und goorpse. E tiefi Stimm het ufgstöhnt. S Stöhnen isch in Röchlen übergange. Isch do äin am Stäärbe, hani my bang gfrogt. Mues en emänd go rette? In däm Momänt hets nach Chöörblen afo dööne. O jemine, au das no.

 

Und gnau jetz isch mr dr Huuswaart in Sinn choo mit syni Flädermuusohre und syne Üülenauge. Dä ghöört und gseht das sicher mindeschtens so guet wien iich, hani dänkt, dä guet Maa sorgt bestimmt uf dr Stell für Oornig. Und drum bini – zuegeh mit nid ganz luperäinem Gwüsse – ins Bett zruggdüsselet. Dusse hets witer kolderet und polteret. Aber s het mi dunkt, das Poltere wärd langsam e chly dämpfter und entfäärn sich Tritt für Tritt d Stääge duruf. I bi wider in en Aart Halbschloof gfalle.

 

Am halb achti isch denn dr grooss Momänt choo: Uf alles gfasst, hani d Wohnigstüür e Spalt wyt ufgmacht. Erbrochnigs isch mer zum Glück nid entgeegegschwappt. Aber linggs und rächts vo dr Tüür isch je e bruune Trekkingschue gläge. I ha die Schue ufglääsen und se schöön näbenenand under d Briefchäschte gstellt. Am zwöi zmittag si si no dört gstande. Am vieri au. Doch wäär spaziert nid am säggsi zoobe in dene bruune Schue under mym Balkon duure und luegt sträng zu mir uufe, öb i joo au Oornig häig: euse Huuswaart. Quelle surprise, hani dänkt, zwüschen eme Häilige und eme Schyynhäilige liggen amme nuur e paar Stäägetritt.

 

 

Proschtli, Maa!

 

Langsam wirds au mir e chly wiehnächtlich zmuet. Gschänkli han i zwar no käini, aber dasch au nümm so wichtig in mym Alter. Mii bringen eender Gschichtli in Stimmig. Dass my Frau zum Bischpil im Wiehnachts-Musical für die alte Lütt z Augscht ganz unverhofft as chlyyses Eseli hed miessen yyspringe, will e Chind statt go probe äimol am e Samschtig rasch hed miessen uf London go shoppe, en anders Mol im erschte Schnee uf de Schyy go caarve. Gib nid uf, chlyyne Esel, häisst das Musical. Und jetz stygt also e Mäitli, d Maria, myner Frau, em chlyyne, alten Eseli, uf e Rugge. Und my Frau bockt – und macht I-Aaaa, I-Aaaa, will ere a) der Rugge fescht weh macht und will si b) lut Dräibuech jo richtig störrisch muess sii. Käi Wunder, das Eseli wird nämmlig die ganz Zyt plogt und darf nie Pause mache. Es mues der lieb lang Tag chrampfe. Dasch fascht wie im rächte Läbe, hani gschmunzlet. Aber im Musical passiert notürli s Wunder – bim Chrippli vom alten Eseli, wo uf äimol e Chindli dinn lyt und strahlt. Und s alten Eseli isch underäinisch nümm störrisch und träit d Maria und s Chindli süüferli, süüferli uf Ägypte. Es chunnt alles guet, strahlt s Eseli. I-Aaaa, I-Aaaa, I-Aaaa!

 

Strahle cha au der Lukas. Är hed dörfe mit em Mami Zug fahre. Will der Zug scho zimmli voll gsi isch, häi si imenen Abtäil wellen absitze, wo scho ne Maa gsässen isch. Das hed däm ganz und gar nid passt. Er hed doo wie ne Sirach und brüelt: „Dir verdammte Souhünd, ich bring ech alli um!“ S Mami isch ganz vergelschteret gsii ab däm groosse, massige Wüetrich und s hed gsäit: „Chumm Lukas, mir sitzen an en anderen Ort.“ – „Näi, Mama, ich blyb doo und äss my Znüni“, hed der Lukas glasse gantwortet. Der grooss Maa hed wytertoobt. Und der Lukas hed seelerueig sy Zässen und Trinken uspackt. „Proschtli, Maa“, het er em andere fröhlig zuegruefe und sy Fläschli ufghebt. Der Maa hed zerscht no wytergschumpfe. Aber denn isch er stiller und stiller woorde. „Proscht, Bueb, wie häissisch du?“, hed er plötzlig gfrogt. - „Lukas“. Nach eme Wyyli hed der Zug ghalte. Der Maa isch ufgstande und hed em Lukas d Hoor gstryychlet. “Danggschön, liebe Bueb“, hed er gsäit, „jetz gohts wider guet.“ Dusse hed er no gwunke. Sy Gsicht isch ganz anderscht gsii.

 

Der Lukas hed s Down Syndrom. Chüürzli hed sy Groossmutti iim my letschti Mundart-Kolumne zäigt. Do hed der Lukas öppis gsäit, wos au miir warm ums Härz worden isch: „Der Markus hed e liebs Gsicht!“ Zeerscht hanis fascht nid welle glaube. Iich, wo hüffig ungwollt sone Möffi mach. Aber der Lukas heds nomol lut und dütlich widerholt. „Der Markus hed e liebs Gsicht!“ Joo, dasch doch Wiehnacht! Drum wünsch i Euch allne Proschtli - und ganz vil helli Wiehnachtsgsichtergschichte. 

 

 

 

LANDNOTIZEN «Schweiz am Sonntag»

 

Sticheleien bei

stechender Sommerhitze

 

SCHON WIEDER EIN STICH ins wunde Baselbieter Herz, diesmal ein veritabler Margarethenstich. Basta, ruft der Müller Urs und fordert in einer von elf Grossräten mitunterzeichneten Motion, dass die BLT-Sänfte-Trams per Niederflurtramgesetz in fünf Jahren von den Basler Schienen verschwinden, weil nur eine Tür dieser Schrott-Trams (O-Ton Müller) niederflurig ist. Die BVB als Vorbild werde ab 2018 ausschliesslich mit ebenerdigen Türen verkehren. Da reibe ich mir als alter Prattler doch leicht verdattert die Augen, wenn ich auf der von der BVB betriebenen Linie 14 nach Hause rattere und an der Endstation meine Schlottergelenke wieder einrenke.

 

NEIN, ICH HABE NICHTS gegen diese BVB-Schüttelbecher, im Gegenteil, ich finde sie direkt gemütlich. Hauptsach, me isch im Schärme. Aber dass nun der BLT wegen zu wenigen Niederflur-Einstiegen der Aufstieg über den Margrethenstich auf der geplanten neuen Route verwehrt werden soll, macht mich schon stutzig und auch ein bisschen trutzig. Offenbar haben die Margarethensticheleien einen tieferen Grund, geht es am kleinen Stutz eben wieder einmal um den vermeintlich grossen Stutz, und da werden schon mal präventiv die Ellenbogen ausgefahren. Seit die Fusion der Halbkantone im Raum steht, mehren sich hüben und drüben die Scharmützel und wachsen in vielen Hirnen die Gespinste.

 

DA FALLEN MIR DIE SCHNECKEN ein, die ja noch evakuiert werden müssen, bevor die neue Linienführung realisiert werden kann: die seltene, zwei Millimeter winzige Kantige Laubschnecke etwa, die rare Kleine Bernsteinschnecke, die Zylinderwendelschnecke, das Moospüppchen. Sie tragen nicht nur wundersame Namen. Es sind auch wundersame Wesen, die meisten Zwitter, Männchen und Weibchen in einem. Schnecken zählen zu den Liebeskünstlern der Natur. Ihr Liebesspiel kann Stunden, ja Tage dauern. Wie wäre es, wenn sich Politiker beider Kantone mal auf die Knie niederliessen und am Margarethenstich ihre partnerschaftlichen Fühler ausstreckten, um dieses stille Schauspiel zu geniessen? Wer sich dann wieder erhebt, ist bestimmt auch ein bisschen gelassener, was die unendlich lange bürokratische Reise für 300 Meter neue Geleise anbelangt. Und vielleicht animieren die kleinen Zwitter uns Menschen eines Tages ja sogar zu einer liebevollen gelbgrünen Schienenfusion.

4.8.2013

 

 

Vor der Kaserne

bei dem Liestaler Törli

 

DAS WORT KASERNE ist entlehnt aus dem Französischen und bedeutet ursprünglich «gemeinschaftliche Soldatenwohnung». Ich gestehe, dass der Rekrut Ramseier seinerzeit in der gemeinschaftlichen Soldatenwohnung in Liestal nicht rundum glücklich wurde. Aber ich habe im Schweisse meines von staubigen Märschen, endlosem Exerzieren, hektischen Gewehrzerlegungen und zermürbenden Schuhputzritualen gezeichneten Angesichts überlebt - wie so viele andere. Und ich breche jetzt nicht in ein Triumphgeheul aus, wenn sich abzeichnet, dass Ueli Maurer aus Schrumpfgründen die Kaserne Liestal trotz unlängst saniertem Gemäuer wohl dichtmachen wird, eine der letzten stolzen Stadtkasernen der Schweiz mit einer Geschichte von 150 Jahren, der einzige RS-Standort nördlich des Juras.

 

SPONTAN HABE ICH GEDACHT, wir bieten Erik Juillard in Liestal kulturelles Asyl an, wenn es bei uns zur Umnutzung kommt und er in Basel weiterhin gegen bürokratische Windmühlen kämpfen muss. Wir stellen seine Tattoo-Ökolatrinen ganz einfach über der Ergolz auf, wo bestimmt niemand reklamiert. Aber ich habe die Idee sofort wieder verworfen, ebenso den Ansatz, die armen obersten Baselbieter Richter, die kein neues Justizgebäude erhalten, in den hohen, hellen Offiziersstuben unterzubringen, oder die Fachhochschule Nordwestschweiz, die im Winter so schlottert, in die nahen warmen Kantonnemente zu disolzieren. Der Bildungszug ist ja längst abgefahren Richtung Muttenz.

 

IN BASEL WURDE für die Kaserne ein Projektwettbewerb ausgeschrieben. Bald ist das für Liestal, das sich neben Kleinstädten wie Burgdorf, Solothurn, Aarau behaupten muss, wohl auch der Fall. Dann wünsche ich mir als Wettbewerbsmotto die ersten Zeilen von Lili Marleen: Vor der Kaserne / bei dem grossen Tor / stand eine Laterne / und steht sie noch davor. Als Rekrut bin ich mehr als einmal heimlich abgehauen und habe beim Törli neben der Laterne auf meine Liebste gewartet – und alles war wieder gut … Lassen wir die Laterne stehen und vergessen wir den alten Kadergehorsam, den neuen Konsumdrill, schaffen wir im Herzen des lärmgeplagten Stedtli zusätzlich zu den fasnächtlich lodernden Chienbäse schlicht Raum für Leichtes, Leises, Liebevolles, das die ganze Region in ein heiterhelles Licht rückt: Und alle Leute soll’n es seh’n / wenn wir bei der Laterne steh’n ...

21.7.2013

 

 

Grosser Bahnhof

fürs Baselbiet

 

WIN-WIN-WIN heisst die neue Zauberformal fürs Baselbiet. Das Triple-Win, verkündet von Andreas Meyer, Sabine Pegoraro und Stettli-Stapi Lukas Ott, lässt hoffen, dass die lang ersehnte Wirtschaftsoffensive nun voll ins Rollen kommt. Es ist ja auch höchste Eisenbahn. Die Kapitale Liestal soll also bis 2020 einen richtig kapitalen Bahnhof erhalten. Wenn man auf dem kleinen Bahnhof bisher einen grossen Bahnhof machte wie vor einem Jahr beim Empfang von Nationalratspräsidentin Maya Graf, stierte man beschämt in die provinziellen Pfützen, in denen sich der erzhässliche Bau spiegelte. Nein, für die Ankunft von Königinnen ist der Baselbieter Hauptbahnhof definitiv nicht gemacht, hat damals offenbar auch der höchste Schweizer Bähnler gedacht. Und schon präsentiert er uns seine bahnbrechende Vision: einen fünfstöckigen Leuchtturm, der die Region überstrahlt. Auf den oberen vier Stockwerken soll die halbe, bislang auf zig Standorte verstreute Kantonsverwaltung thronen.

 

ICH BIN ÜBERZEUGT, dass der neue Leuchtturm auch die Beamten und Regenten hoch über den Geleisen erleuchtet, dass etwa in den nach Feng-Shui-Erkenntnissen gestalteten Räumen der Kulturabteilung sensationelle Lightviews (Leidbilder, exgüsi: Leitbilder) entstehen, dass sich Isaac Reber und Baschi Dürr im polyvalenten Meditations- und Mediationsraum nicht verhöhnen, sondern versöhnen, und dass die Baselbieter Polizei mit ihrer Leiterin Human Resources im liebevoll eingerichteten Spielzimmer den verlorenen Korpsgeist dank Playmobil-Figuren und Plüschtieren zum Üben im Nu wiederfindet.

 

UND ICH SEHE DIE REGIERUNG auf der Dachterrasse: mit dem vollen Überblick, freue mich auf die versprochenen Synergien, wenn der Regierungspräsident zugleich auch Bahnhofsvorstand ist, die Mütze mit dem leuchtenden Baselbieterstab auf dem Kopf im Wissen darum, dass ein Bahnhof immer auch Sinnbild für Heimat ist. Und wenn dann der TGV aus Paris ankommt und der Stapi stapelweise Visitenkarten verteilt und beim Galadiner im Bahnhofbuffet die nächsten globalen Wirtschaftsoffensiven serviert werden, hoffe ich fest, dass unser wunderbarer Leuchtturm infolge horrender Mieten nie zum Geisterbahnhof mutiert - oder dass ein einfacher Zweitklassreisender wie ich ob der klammheimlich auf die Billettpreise überwälzten Baukosten nicht plötzlich nur noch Bahnhof versteht.

14.7.2013

 

 

Die Jagd auf Jäger ist eröffnet

 

SEIT ICH ANFANGS JAHR auf einem Dämmerungslauf umzingelt war von grunzenden Bachen, schnaubenden Überläufern und Frischlingen, sind mir die Wildschweine endgültig ans Herz gewachsen. Umso mehr lassen mich zwei sommerliche Halali aufhorchen. Da wollen also 14 Mitglieder des Grossrats die Jagd auf baselstädtischem Kantonsgebiet verbieten lassen. Und fast gleichzeitig werden dem Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch schwere Vergehen gegen das Jagdgesetz vorgeworfen. Vorstoss hier – Verstoss dort. Der oberste Baselbieter Jäger soll Kollegen gedeckt haben, die illegal auf einer Wildsautreibjagd waren. Zudem habe er vorschriftswidrig Jagdlizenzen abgegeben. Diese und weitere Fälle von Amtsmissbrauch seien von der Staatsanwaltschaft unter den Tisch gekehrt worden. Eine weitere Baselbieter Heulgeschichte? Ganz anders in Basel:

 

ZUERST HABE ICH LAUT GELACHT. Wo wollen die Basler Jäger denn jagen? Auf dem Barfi? Im Zolli? Im bisschen Wald, der vom Bruderholz geblieben ist? Zwischen den paar Bäumen, die in den Langen Erlen nicht umhagt sind? Offenbar gibt es zwischen Riehen und Bettingen genug Füchse, die ausbüchsen, und Rehe auf leisen Zehen, um vier Pachten und über ein Dutzend Gästekarten zu vergeben ... Wie die 14 Grossräte glaube ich nicht so recht an den Mythos von Hege und Pflege und solidarisiere mich im Zweifelsfall mit den Gejagten. Im Militär trug ich schwer am Gewehr. Und trotzdem ist mir das Jagdfieber nicht unvertraut.

 

WAS IST DER UNTERSCHIED zwischen einem steinzeitlichen Rentier- und einem Renditejäger unserer Tage? Das für den Jagdtrieb zuständige Stammhirn funktioniert noch praktisch gleich wie damals. Der Steinzeitjäger legte Fettvorräte an für den Winter. Wir brauchen dieses Fett nicht mehr. Aber das Hirn kapiert das nicht. Es bläst weiter zur Jagd und knallt ab, was ihm vors Visier gerät – allein oder im triebhaften Treibjagdkollektiv. Seinerzeit brauchte ein Jäger ein Revier von 25 Quadratkilometern zum Überleben. Heute reicht ein Quadratmeter vor dem Bildschirm. Daher hat es in der Stadt und auf dem Land gleichermassen Platz für Klein- und Grosswildjäger. Ob die mit einem klassischen Jagdverbot zu bändigen sind? Wäre Bloch ein Adjektiv, hiesse die Steigerungsform Blocher. War es früher das Geweih, muss heute die Zeitung als Trophäe her.

7.7.2013