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©2005, Lukas Kull
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Elbis, Galms, SpärbelBesondere Liestaler Flurnamen – eine AuswahlIn: Heimatkunde Liestal, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2004. Liestal ist nicht nur Kantons-Hauptort, sondern mit einer Fläche von 1821 Hektaren auch die grösste Baselbieter Gemeinde – und die Gemeinde, die am mit meisten Flurnamen aufweist: Namen für Äcker, Wiesen, Weiden, Wälder, Gewässer, Höfe. Diese Namen gliedern die Liestaler Landschaft nach wie vor massgeblich und erleichtern die Orientierung – von Altmärt, Bänzbur, Chlammeren, Chlöpfgatter, Christen, Elbis, Flungs bis Üetetel, Widenhueb, Wätterchrüz, Zirkelirain. Allerdings ist die Namenlandschaft in raschem Wandel begriffen. Von den rund 1500 Flur- und Strassennamen, die zumindest einmal in einer schriftlichen oder mündlichen Quelle bezeugt sind, werden heute noch knapp 400 gebraucht. Kaum jemand mehr erinnert sich an so klangvolle Namen wie Areisli, Böpperli, Clewibärenmatt, Dilms, Fristal, Garbutsch, Horneber, Knupftenweiden, Schwäberich, Wollweber- oder Zobelmatt. Überbauungen, Güterzusammenlegungen und der Rückgang der Landwirtschaft hinterlassen auch im Sprachgebrauch ihre Spuren.
Glänzende Ergolz Jede Gegend weist in ihren Flurnamen eine historische Schichtung auf: Namen aus früheren, bei uns verschwundenen Sprachen stehen neben Namen aus der heute gesprochenen Sprache. Sie widerspiegeln die geschichtlichen Epochen und erinnern an die verschiedenen Völker, welche die Landschaft mitgestaltet haben. Ältere, vordeutsche Namen sind im Baselbiet eher selten. Sie machen knapp 1% des Namengutes aus. Die ältesten von ihnen reichen vermutlich ins frühe 1. Jahrtausend vor Christus zurück, d.h. in die ausgehende Bronzezeit. Zu dieser Schicht gehört der Flussname Ergolz, der zu einer indogermanischen beziehungsweise keltischen Wurzel arg 'klar, glänzend, weiss' zu stellen ist. Ergolz – 'die Glänzende' (i). Der Orisbach wird auf indogermanisch aurisa zurückgeführt und ist zu umschreiben als 'der schnell Fliessende' (ii). Kurz vor der Zeitenwende beginnt mit dem Bau von Augusta Raurica ein neues Kapitel der Geschichte – auch der Namengeschichte – unserer Gegend. Die Römer/innen liessen sich oft am selben Ort oder in der näheren Umgebung ursprünglich keltischer Siedlungen nieder. Sie kamen als Besieger der Kelten, aber nicht kriegerisch. Es entstand eine Mischkultur. Wichtigste Zeugen dieser galloromanischen Epoche sind Siedlungsnamen, die auf –ach enden. Hierzu zählt im Liestaler Gemeindebann Munzach, ursprünglich Montiacum, 'das dem Montius gehörige Grundstück'. Dieser Siedlungsname wird in einer der ältesten erhaltenen Quellen zum Baselbiet aus dem späten 8. Jahrhundert erstmals erwähnt (iii). An der Stelle, wo sich das Tal verbreitert und in das Ergolztal mündet, wo also genug Platz vorhanden war für einen grossen Bau, entstand in römischer Zeit ein luxuriöser Gutshof, der sich über eine Länge von 350 Metern und eine Breite von 150 Metern erstreckte. Auf dem Umgelände des Gutshofs entwickelte sich im Frühmittelalter eine alemannisch-fränkische Siedlung mit eigener Kirche. Aufgrund der Funde ist eine Siedlungskontinuität bis ins 13. Jahrhundert nachgewiesen. Weit über 90% unserer Flurnamen stammen aus diesem letzten grossen Abschnitt unserer Siedlungsgeschichte, in welchem massiv Land gerodet wurde. Die Hauptrodungszeit fällt ins 11.–13. Jahrhundert. Naturland, das in Kulturland verwandelt wurde, wollte benannt sein. Die Siedler waren in den seltensten Fällen Poeten. Sie stützten sich bei der Benennung auf die naheliegendsten Motive, zum Beispiel auf die Geländeform, Bodenbeschaffenheit, Lage, Bewachsung, Nutzung oder den Besitzer einer Flur.
Keine Müdigkeit im Tal Am 15. Oktober 1397 musste das Domkapitel Basel einen Streit zwischen Liestal und Füllinsdorf schlichten. In der Streitschrift steht dazu unter anderem: ... so ist ein holtz heisset Elbis halde in Utental, gehört von alter zuo den von Fulistorf, da fuorent vor ziten die von Liestal in mit gewalt, daz hettent die von Fulistorf gern gewert ... dar uber sint die von Liestal in daz holtz gefarn frevelich und hant daz holtz und den grund verkôft, was besser denn drûhundert guldin wert und hant daz dorf Fûlistorf entwert ihres holtzes ane alles reht (iv). Liestal machte Füllinsdorf im 14. Jahrhundert offenbar gewaltsam das Waldgebiet Elbishalde abspenstig. Das Domkapitel wies die Liestaler jedoch in die Schranken. Im Zusammenhang mit diesem Streit erscheint auch einer der ältesten schriftlich überlieferten Liestaler Flurnamen – in der Schreibweise Utental. Die ortsvertrauten Liestalerinnen und Liestaler sprechen den Namen Üetetel oder Ietetel aus. Die Flur liegt in einer gewellten Mulde zwischen Burgholden und Elbisberg an der nördlichen Gemeindegrenze. Das Gebiet umfasst Kulturland mit Streuobst und Reben. Weder mundartliche Aussprache noch Lokalisierung oder Geländebeschrieb liefern Hinweise zur Deutung. Auch alteingesessene Personen rätseln. Ein Spassvogel meint, der Name müsse korrekt Im Müedetal lauten. Man habe dort am Banntag bisweilen müde, schwere Beine und eine schwere Zunge. Daher kürze man Müedetal ab zu Üetetal – eine doch etwas verdächtige Antwort. Für eine hieb- und stichtfeste Deutung ist es unerlässlich, die Spur des Namens in gedruckten und ungedruckten Quellen durch die Jahrhunderte hindurch zurückzuverfolgen, möglichst bis in seine Entstehungszeit. Für Üetetel finden sich als älteste Belege: 1397 Utental, 1462 Ytental, 1530 üttental, 1630 Vttental, 1734 Uetenthahl (v). Der Name wird auf mindestens zehn verschiedene Arten geschrieben. Offenbar verstand man ihn schon früh nicht mehr. Die ältesten, unverfälschtesten Schriftformen bilden die Grundlage für die Namendeutung. Die Lösung findet sich in einem altdeutschen Personennamenbuch unter dem Stichwort Uto (vi). Üetetel bedeutet schlicht 'Tal des Uto'. Offenbar entdeckte ein alemannischer oder fränkischer Siedler im frühen Mittelalter dieses Tal und rodete es mit seiner Sippe. Was lag näher, als die Flur mit dem eigenen Personennamen zu versehen? Lautgesetzliche Entwicklungen bewirkten, dass das U- am Namenanfang zu einem Ü umgelautet wurde. Ittental im Kanton Aargau ist auch ein 'Tal des Uto'. In diesem Fall wurde der Umlaut Ü zusätzlich entrundet zu I. Das ist auch beim Ortsnamen Itingen der Fall, mundartlich Ütige 'bei den Ütingen, den Leuten des Uto'. Uto war einst ein Modename. Wir treffen ihn im bernerischen Uetendorf ebenso wie im zürcherischen Uetikon. Und im Hausberg von Zürich, im Uetliberg, steckt mit Utilo eine Verkleinerungsform. Im Laufe der Jahrhunderte geriet der Liestaler Uto in Vergessenheit. Seine Siedlung wuchs sich nicht zu einem Weiler oder Dorf aus. Als Flurname ist Üetetel aber noch lebendig.
Binno und Atto Der Bienenberg ist 1446 belegt als Bininberg (vii). Er hat nichts mit Bienen zu tun, die dort herumsummten, aber auch kaum mit binnen 'innerhalb', also: 'der Berg, der innerhalb, zwischen etwas liegt'. Wahrscheinlicher ist ein Bezug zu einem alten Personennamen Binno, der auch im Ortsnamen Binningen erscheint. Bienenberg – 'der Berg des Binno'. Der Bettenberg im Raum Schauenburg wurde bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Attenberg geschrieben (viii). Es handelt sich um den 'Berg des Atto'. Der alte germanische Vorname Atto bedeutet eigentlich 'der Väterliche' und ist verwandt mit unserem Mundartwort Ätti. Eher unbekannt ist der Flurname Waldeschtli. Er umreisst einen steil abfallenden Waldgürtel bei der Sichteren, der in eine Mulde zuläuft. Der Name hat sich lautlich bis zur Unkenntlichkeit von seinen Ursprüngen entfernt. 1530 heisst die Flur nämlich Waltersstal (ix). Auf dieser Grundlage ist Waldeschtli zu deuten als 'Stelle/Stätte des Walther'. Bänzbur an der Frenke ist zusammengesetzt aus dem Bestimmungswort Bänz, einer Kurzform von Benedikt, und dem Grundwort Bur, das 'Bauer, Haus' bedeutet. Bänzbur – 'das Haus des Benedikt'. Bänz war früher ein häufiger Vorname. Das belegen formelhafte Wendungen wie Uha Bänz (hoppla, so war es nicht gemeint) oder Buntz und Bänz, Binz und Bänz im Sinne von: alle zusammen, alles. Auch Institutionen sind als Besitzer in Flurnamen vertreten. Die Fraumatt war die Matte, die als Pfrundbesitz zum Altar der Jungfrau Maria in der Stadtkirche gehörte. Der Meienboden im Röserental hat nichts mit dem Monat Mai gemein. Man hat dort auch nicht besonders schöne Meien, Sträusse, zusammengestellt. Meienboden ist vielmehr eine sogenannt volksetymologische Umdeutung aus ursprünglichem Meyers Bödemlj (x). Der Name umschreibt eine ebene Fläche, einen Boden im Besitz des Meiers, des herrschaftlichen Gutsverwalters. Aus dem Meieramt entwickelte sich der gleich lautende Familienname.
Erz auf dem Berg? Die Geländeform ist im Liestaler Gemeindebann sehr ausgeprägt. Viele Namen nehmen direkt darauf Bezug, z.B. alle Namen mit den Grundwörtern Berg, Holden, Rain. Der Erzenberg erscheint erstmals 1355 in der schriftlichen Überlieferung in der Form an dem Ergenzenberge: 'der Berg an der Ergenz, der Ergolz' (xi). Namengebend war also die Lage des Berges am Fluss und nicht die Bodenbeschaffenheit. Der Ryffengraben, eine schluchtartige Verengung zuhinterst im Röserental, stellt sich zum alten Mundartwort Ryff, das 'Abhang, Tobel' bedeutet. Und der Chessel umschreibt bildhaft die kesselartige Vertiefung der Ergolz unterhalb des Wasserfalls. Von dort dehnte sich der Name auf das weitere Umgelände aus. Ein weiteres wichtiges Benennungsmotiv ist die Bodenbeschaffenheit. Die Mieschhalde bezeichnet einen feuchten, moosigen Abhang. Miesch ist die mundartliche Entsprechung für Moos. Miesch wurde früher als Isolationsmaterial und als Streue fürs Vieh gebraucht. Eine alte Redensart lautet: Du hesch nume Miesch im Chopf. Auch Röseren gehört zu den «feuchten Namen». Zugrunde liegt ein ursprünglich germanisches Wort rauz 'Rohr, Röhricht', das ins Romanische entlehnt und erweitert wurde. Es ist in der welschen Schweiz in Namen wie Rosier, Rosey, Roseire in der Bedeutung 'morastiges Gelände' bezeugt und von dort wiederum in den deutschen Sprachraum gelangt (xii. Namenbestimmend war folglich der sumpfige Boden. Die Sichteren weist ebenfalls auf Nässe. Der Name erscheint bereits im frühen 15. Jahrhundert in der heutigen Schreibweise, einer amtlichen Form von Sechtere 'Sieb', abgeleitet von einem althochdeutschen Wort sihan, neuhochdeutsch seihen 'leise tröpfelnd fliessen'. Mundartlich sechte bedeutet 'Flüssigkeit durch ein Tuch oder Sieb laufen lassen'. Sichteren – 'der Ort, wo es sechtet, durchseicht'. In Suttenberg steckt das nicht mehr gebräuchliche Mundartwort Sutte in der Bedeutung 'Morast, Sumpf, Pfütze'. Die Dugmatt liegt an der westlichen Gemeindegrenze. Mundartlich Dug entspricht hochdeutsch Tuff 'Kalksinter'. Dug ist bröckliges, poröses Gestein, das als Tünche, Fegsand und Baustein Verwendung fand. Rätselhaft ist der bereits 1397 in der heutigen Schreibweise überlieferte Flurname Elbis (xiii). Eventuell ist er zum Eigenschaftswort albisch, älbsch 'weiss-gelblich' zu stellen. Die helle Bodenfarbe hätte dann zum Namen geführt. Nicht auszuschliessen ist aber auch ein Bezug zu einem Personennamen Albin. Für eine Besitzernamenbildung sprechen lautliche Gründe (geschlossenes e aus Primärumlaut) und die Endung auf -s.
En Unrue wie imene Aschpli Auch die ursprüngliche Bewachsung kann in einen Flurnamen eingehen. Ein typischer Baum unserer Gegend hat sich im Namen Asp an der Gemeindegrenze zu Frenkendorf verewigt: die Espe, Zitterpappel. Wie alle bekannten Waldbäume ist auch die Espe fest in der Sprache unserer Vorfahren verwurzelt. Es isch en Unrue wie imene Aspli, sagte man, oder bekannter: zittere wie Eschpelaub. Ebenfalls an der Grenze zu Frenkendorf liegt die Flur Eich. Sie nimmt Bezug auf den begehrtesten Baum unserer Vorfahren. Die Eiche galt als Sinnbild für Stärke und lange Lebensdauer. Eicheholz git gueti Galgeneegel, pflegte man zu sagen, aber auch: Vor der Eiche und dere fäisse Sou sell me der Huet abzieh. Die meisten Flurnamen enthalten einen Verweis auf die ursprüngliche Nutzung einer Flur, so alle Namen, die das Element -weid, -acher, -matt, -holz oder -reben enthalten, zum Beispiel: Bächliacher, Brüelmatte, Eselweid, Tiergartenhölzli oder Räbhalden im Gebiet Sichteren-Muni. Die Räbhalden hat ihren Geltungsbereich von Nuglar über die Gemeindegrenze auf Liestaler Gebiet ausgedehnt. Sie umschreibt längst nicht mehr Rebland, sondern Wald. Ein gutes Dutzend heute nicht mehr gebräuchliche Reben-Namen dokumentieren die früher zentrale Bedeutung des Rebbaus für Liestal, z.B. Altreben, Ergolzreben, Rütschenreben oder Trottenreben. Auch der Name Galms an der Grenze zu Lausen weist auf die einstige Nutzung – und zwar als Weideland. Das Wort haben unsere Vorfahren aus dem Wortschatz der kelto-romanischen Vorbevölkerung entlehnt. Keltisch calmis bedeutet 'Bergweide'.
Achtung Rad! Auch einzelne auffällige Objekte führten immer wieder zu Flurbezeichnungen. Chlöpfgatter nahe Füllinsdorf bezieht sich auf ein einstiges Weidgatter, das selbständig mit einem «Chlapf» schloss. Der Name Gitterli ist wahrscheinlich aus mittelhochdeutsch gegiter 'Gitter, Gatter' hervorgegangen. Er nimmt Bezug auf ein kleines Gatter im Etterhag, der das Dorf umgab und die Allmend von den Ackerzelgen trennte. Ein etwas brutaleres Objekt stand dem Radacher Pate. Im 16. Jahrhundert heisst die Flur im nider feld beym rad (xiv). Mit Rad ist das Hinrichtungsrad gemeint. Der Name erinnert an den Standort einer mittelalterlichen Hinrichtungsstätte, auf der die Verbrecher gerädert wurden. Der ursprüngliche Ausdruck für rädern war radebrechen. Auch die heute nicht mehr gebräuchlichen Namen Galgen, Galgenrain, Galgenstein, Galgernmatt, Hochgericht und Henkerslehen weisen auf die einstige Bedeutung Liestals als Gerichtsort. Immer wieder finden sich auch Vertreter des Tierreichs in Flurnamen. Die Flur Spärbel am Fuss des Bienenbergs erscheint 1530 in der Form spärwer in der schriftlichen Überlieferung (xv). Mittelhochdeutsch sperwære bedeutet Sperber. Der Vogel ist nach seiner häufigsten Beute benannt, dem Sperling, Spatz. Auf dem Spärbel dürfte der Sperber auffällig häufig gejagt haben. In der Wolfsholden an der Ergolz hat sich mit dem Wolf der Spitzenreiter unter den Wildtieren verewigt, die im Baselbieter Namengut Spuren hinterlassen haben. Mit speziellen Wolfsnetzen trieb man ihn in die Enge. Im Vogeleili im Mündungsgebiet des Orisbachs in die Ergolz legten nicht die Vögel besonders heftig Eier, sondern es handelt sich um eine kleine Au, umgelautet Ei, 'Gelände am Wasser', wo sich Vögel besonders gern aufhielten. Aber aufgepasst: nicht in jedem Namen, der nach Tier klingt, steckt ein Tier. Der bekannte Name Muni etwa hat mit dem Zuchtstier nichts zu tun. Der älteste schriftliche Beleg aus dem 13. Jahrhundert lautet Mumia (xvi). 1432 ist die Schreibvariante Mumyen bezeugt (xvii). Im gleichen Jahrhundert tauchen noch die Schreibweisen vff mummien, münnen, munnen, vff Münÿen, Munÿen, monÿgen auf. Diese Belege lassen sich an kein bekanntes Mundartwort anschliessen. Möglich wäre eine Herleitung von mittellateinisch mundium, einem Wort aus der Rechtssprache, das die Bedeutungen 'Sicherheit, Königsfriede, Strafe für dessen Bruch' entwickelte. Muni liesse sich dann frei umschreiben als 'gebanntes Gebiet, das unter Strafandrohung nicht genutzt werden durfte', vielleicht eine herrschaftliche Bannweide (xviii).
Der Pfaff im Chämmerli Nicht immer weisen Namen von Personen oder Institutionen in Flurnamen auf frühere Besitzer. Das Pfaffenchämmerli in der Roten Flue am Schleifenberg gehörte nicht einem Pfaff, sondern geht auf ein bestimmtes Ereignis zurück. Allerdings besteht Unklarheit über die Art des Ereignisses. So berichten ältere Liestaler, zur Zeit der Reformation habe ein Pfarrer ein Mädchen geschwängert und sich in der Folge in dieser Halbhöhe versteckt, von der aus man die Kirche im Blick hat. Das Baselbieter Sagenbuch will hingegen wissen, im Pfaffenchämmerli habe sich vor Zeiten ein Mörder namens Pfaff verborgen, bis ihn der Hunger ins Dorf und direkt vor den Scharfrichter führte (xix). Der Übergang von Ereignis zu Sage und Aberglaube ist in vielen Fällen fliessend. Fazit: Flurnamen beleuchten nicht nur die spezifische Eigenart eines Landstückes, sondern sie geben auch Einblick in die Denkweise unserer Vorfahren und ihre Verbundenheit mit dem eigenen Lebensraum. Jeder Name erzählt eine kleine Geschichte. Miteinander verknüpft, leisten diese Namengeschichten einen wichtigen Beitrag zur Erhellung der Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Liestal.
Die Stiftung für Orts- und Flurnamen-Forschung plant zwischen 2003 und 2006 für jede Baselbieter Gemeinde ein Büchlein, in der alle noch gebräuchlichen Flurnamen gedeutet werden. Ins abschliessende Namenbuch der Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft sollen auch die heute nicht mehr verwendeten Namen integriert werden. Auszugehen ist von gegen 50 000 zu deutenden Flurnamen. Nähere Informationen unter: Stiftung für Orts- und Flurnamen-Forschung Baselland, Rankackerweg 26, 4133 Pratteln
Quellen und Literatur Daniel Bruckner, Historische und natürliche Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel, 1748–1764. Gemeindearchiv Liestal, Kataster, Protokolle. Gemeinde-Übersichtsplan Liestal 1:5000, 1933. Landeskarte der Schweiz, 1:25 000, Blatt 1068, Sissach, Ausgabe 1994. Markus Lutz, Neue Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel, Basel 1805–1816. Namensammlung der Stiftung für Orts- und Flurnamen-Forschung Baselland. Ortsplan Liestal 1:5000, 1991. Staatsarchiv des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, Bereine, Jahrzeitenbuch und Pläne Liestal. Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt, Bereine und Pläne Liestal. Jean Trouillat, Monuments de l’histoire de l’ancien évêché de Bâle IV, Porrentruy 1861. Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, Hg. Hermann Wartmann, Zürich 1863. Urkundenbuch der Landschaft Basel, Hg. Heinrich Boos, Basel 1881. Urkundenbuch der Stadt Basel, bearb. von R. Wackernagel et al., Basel 1890–1910.
Bruno Boesch, Kleine Schriften zur Namenforschung, Heidelberg 1981. Ernst Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Erster Band: Personennamen, München 1966 (Nachdruck der zweiten Auflage). Karl Gauss et al., Geschichte der Landschaft Basel und des Kantons Basel-Landschaft, Bd. 1 und 2, Liestal 1932.
iii Urkundenbuch der Abtei St. Gallen I, Nr. 15 iv Urkundenbuch der Landschaft Basel 1881, Nr. 502 v Urkundenbuch der Landschaft Basel, Nr. 502, Nr. 839, StABL, Berein Nr. 2, StABL, Berein Nr. 181 vi Förstemann, Personennamen, 1472 vii Urkundenbuch der Landschaft Basel, Nr. 872 viii Helvetischer Kataster 1802: Attenberg ix Urkundenbuch Basel-Stadt 09, 321f. xi Urkundenbuch der Landschaft Basel, Nr. 358 xiii Urkundenbuch der Landschaft Basel, Nr. 502 xvi StABL, Jahrzeitenbuch Liestal 42 |